Manchmal trifft man Menschen wieder, ohne es zu merken. Eliska hatte ich Jahre zuvor schon einmal fotografiert — beim World Bodypainting Festival, irgendwann 2011 oder 2012, während sie auf der Bühne Feuerkunststücke vorführte. Dass es dieselbe Person war, die mir Jahre später in einem Wiener Airbnb gegenüberstand, ist mir damals nicht auf Anhieb aufgefallen. Manche Begegnungen schließen sich erst über Umwege. Sabi dagegen war völlig neu, eine erste Session — und wie das so ist mit ersten Sessions: die ersten zehn Minuten beschnuppert man sich, danach wird gearbeitet.
Vorausgegangen war diesem ruhigen Setting allerdings mein üblicher Wien-Anreise-Triathlon. Auto in Wien zu fahren ist eine Idee, die ich erfolgreich seit Jahren meide, also war ich wie gewohnt zu Fuß und mit der U-Bahn unterwegs — mit zwei Kameragehäusen, mehreren Objektiven, einem mobilen Blitz samt Schirm und Ständer, einem Dauerlicht und einer beachtlichen Menge an Kleinzeug, das ich für unentbehrlich hielt. Dazu sommerliche Außentemperatur. Mit einigermaßen vorzeigbarem Erscheinungsbild beim Airbnb anzukommen war an dem Tag eine Disziplin für sich, in der ich nur mäßig erfolgreich war. Geli hingegen war natürlich entspannt — sie ist mit dem Auto gekommen, wie immer.
Das Shooting war Teil meines Charity-Kalenders 2016, und die beiden hatten sich für den Anlass selbst eine Wohnung organisiert. Ein stilvoll eingerichtetes Airbnb in Wien, mit genau jener Mischung aus Wohnlichkeit und kuratierter Ästhetik, die sich Inneneinrichter unter „Charakter" vorstellen. Über die Stunden hinweg haben wir konsequent jede Ecke ausgenutzt, die uns die Wohnung angeboten hat — vom Vorzimmer übers Wohnzimmer, durch die Küche bis ins Bad und wieder zurück. Wenn man eine Wohnung mietet, soll man auch was davon haben.
Geli war wieder dabei — wie eigentlich immer, wenn nicht gerade ein Termindeckel dazwischenfunkt. Sie hat das Make-up beider Models verantwortet, und während ich versucht habe, einen halbwegs ungewöhnlichen Bildwinkel zu finden, hat sie nebenbei dokumentiert, wie ich dabei aussehe — ein Behind-the-Scenes-Foto, in dem ich verbogen, mit dem Kopf nach unten und mit einem Arm auf einem Fensterbrett abgestützt versuche, das Bild zustande zu bringen. Solche Aufnahmen werden interessanterweise nie gemacht, wenn man fotogen aussieht. Das ist Teil des Konzepts.
Für diese Session habe ich bewusst mehr auf Schwarz-Weiß gesetzt als sonst. Farbe ist eine Verlockung, der man als Fotograf in stilvoll eingerichteten Wohnungen schnell erliegt — jeder Vorhang, jede Wandfarbe, jede Holzmaserung will mitspielen. Manchmal ist das gut. Manchmal nimmt es den Personen vor der Kamera mehr Aufmerksamkeit ab, als sie sich zurückholen können. Schwarz-Weiß reduziert das auf das Wesentliche, und in einer Fine-Art-Serie wie dieser passt das.
Diese Galerie ist deshalb eine Mischung aus zwei sehr verschiedenen Modellen, einer dramaturgisch gut gewählten Wohnung, einer Visagistin mit Humor und einem Fotografen, der gelegentlich Yoga-Stellungen einnimmt, von denen er hinterher wünscht, sie wären weniger gut dokumentiert.
Danke an Sabi und Eliska für das Vertrauen, an Geli für das Make-up und die liebevolle Dokumentation meiner Verrenkungen — und an die Airbnb-Wohnung, die für ein paar Stunden zur perfekten Fine-Art-Bühne wurde.