Marynas erste Session mit mir verbuche ich bis heute nicht als „erfolgreich abgeschlossen", sondern als kleine Expedition — ein Wiener Nachmittag zwischen engem Studio, staubigem Dachboden und einem Sprint zum Hauptbahnhof.
Die Location bestand aus zwei Teilen, beide vom selben Studio-Vermieter angemietet, beide nur über eine bemerkenswerte Anzahl an Stiegen zu erreichen — die Sorte Aufstieg, nach der man oben ankommt und erst mal so tut, als würde man die Aussicht bewundern, während man in Wirklichkeit nur wieder zu Atem kommt. Das Studio selbst war klein und eng, alles auf wenigen Quadratmetern, kein Platz für große Gesten. Der Dachboden dagegen hatte das, wofür man solche Orte überhaupt aufsucht: traumhaftes Fensterlicht, das weich und gerichtet durch die alten Scheiben fiel. Was er außerdem hatte, stand nicht im Exposé — eine feine Schicht aus Staub und vereinzelter Mäusekacke unter den Füßen, die der Vermieter aus naheliegenden Marketinggründen unerwähnt gelassen hatte. Wir haben den Raum trotzdem genommen. Wenn das Licht stimmt, verzeiht man einem Boden eine ganze Menge.
Geli, meine Visagistin, war wie immer dabei — und wie immer mit dem Auto, was sich an diesem Tag noch als kleiner Glücksfall herausstellen sollte. Wir hatten knapp zwei Stunden, einen eng gesteckten Zeitrahmen und eine ganze Reihe editorialer Looks vor uns. Also wurde umgezogen, umgestylt, umgebaut, neu ausgeleuchtet — Vintage, Retro, verträumt, die Stimmungen wechselten schneller, als der Dachboden eigentlich hergab, aber genau das hat ihm seinen Charme gegeben.
Das eigentliche Finale fand dann nicht vor der Kamera statt, sondern auf dem Weg zum Bahnhof. Maryna musste ihren Anschlusszug erwischen, der Zeitplan war ambitioniert, und so wurde aus dem ruhigen Ausklang ein kleiner Wettlauf gegen die Uhr — Geli am Steuer, Equipment hinten, alle leicht außer Atem. Wir haben den Zug erwischt. Knapp.
Riesigen Dank an Maryna für das Vertrauen bei einer ersten gemeinsamen Session, an Geli für die gewohnt perfekte Arbeit und den spontanen Fahrdienst — und an den Vermieter, der mit etwas Glück eines Tages vielleicht sogar eine Putzkolonne mitvermietet.