Nach Jahren voller eleganter Kleider-Portraits war einfach mal Zeit für Abwechslung. Weg vom weichen Beautylight, das jede Solistin schmeichelhaft in Szene setzt — rein in den harten Spot, der Charakter zeigt statt ihn zu kaschieren.
Selina und ich arbeiten regelmäßig zusammen, meist für ihre kommenden internationalen Auftritte — neue Portraits, neue Programme, neue Saison. Über die Jahre ist daraus eine angenehme Routine geworden, und Routine ist im Portrait genau das, woran man arbeiten muss, sobald man sie bemerkt. Für diese Session habe ich mir deshalb vorgenommen, etwas zu probieren, das mit den bisherigen Bildern bewusst bricht.
Statt des weichen, schmeichelnden Lichts, mit dem man Solistinnen üblicherweise inszeniert, habe ich im Studio ein hartes Spotlight aufgebaut — ein Aperture-Dauerlicht mit Gobo-Aufsatz, das gerichtete, kantige Lichtformen wirft und dem Gesicht eine ganz andere Tiefe gibt. Kein Licht, das schmeichelt. Eines, das Charakter zeigt. Nach all den Kleider-Fotos war das genau das, was dem Portfolio gefehlt hat: Bilder, die nicht nur die elegante Solistin zeigen, sondern die Performerin dahinter, die auf der Bühne tatsächlich etwas zu sagen hat.
Das funktioniert allerdings nur, wenn die Person vor der Kamera mitgeht — und Selina geht mit. Sie hat Charakter, sie ist eine Performerin im besten Sinn, und hartes Licht ist gnadenlos zu jedem, der sich davor versteckt. Selina versteckt sich nicht. Sie hat die Härte des Lichts angenommen und in Präsenz übersetzt, und genau dadurch sind Bilder entstanden, die sich von allem unterscheiden, was wir vorher gemacht haben.
Eine Sache musste ich dabei allerdings respektieren: Selina neigt farblich stark zu Beigetönen. Das ist über die Jahre eine verlässliche Konstante geblieben — was auch immer wir planen, irgendwann landet die Garderobe bei Beige. Im Notfall geht aber immer noch Schwarz, und für eine Session mit hartem Spotlight ist Schwarz ohnehin die elegantere Wahl. Manche Kompromisse sind eigentlich gar keine.
Danke an Selina dafür, dass sie nach Jahren gemeinsamer Shootings immer noch Lust hat, etwas Neues auszuprobieren — und dafür, dass sie bei hartem Licht genauso souverän bleibt wie bei weichem. Das können nicht viele.