Frau sitzend in den Sanddünen von Maspalomas, weiter Blick über die geriffelte Düne, schwarz-weiß
Story · 18+ · 7 Snapshots aus 15 Jahren

Studio Stories — Von Wien bis Gran Canaria.

Juli 2026 12 Min. Lesezeit

Diese Galerie ist ein bisschen anders als die übrigen auf der Seite. Keine zusammenhängende Session, kein durchkonzipiertes Projekt, kein einzelner Tag, an dem alles entstanden ist. Stattdessen eine Sammlung von Einzelbildern aus völlig verschiedenen Shootings — manche aus Wien, manche von Gran Canaria, manche aus den ersten Jahren meiner Laufbahn, manche aus jüngerer Zeit. Jedes davon hätte vermutlich einen eigenen Blogartikel verdient gehabt. Manche bekommen ihn vielleicht noch. Bis dahin lasse ich sie als das stehen, was sie sind: Snapshots. Geschichten, die in einem einzelnen Frame hängengeblieben sind.

Ich gehe sie chronologisch durch — Klick für Klick, von vorn nach hinten.

Snapshot 1 Victoria, und der Tag, an dem Geli in mein Berufsleben spazierte.

Beauty-Portrait einer jungen Frau mit Statement-Halskette in High-Key vor hellblauem Hintergrund

Victoria hatte mich Jahre zuvor angeschrieben, weil sie Portrait-Fotos von sich machen lassen wollte. Ich war gerade dabei, mein Portfolio auszubauen — eine klassische Hand-wäscht-die-andere-Konstellation, also kam das Shooting zustande. Was ich an dem Tag nicht wusste: Victoria brachte eine Visagistin mit, die sie organisiert hatte. Eine Visagistin namens Angelika Oswald, die in meinem Berufsleben heute nicht mehr wegzudenken ist. Aus diesem einen Termin wurden mit Victoria später noch ein Pärchen-Shooting in der Wiener Innenstadt mit ihrem Freund, und ein Beauty-Shooting im Studio gemeinsam mit zwei weiteren Models — alles indirekt von Geli organisiert. Manchmal entscheidet sich an einem einzigen Tag, mit wem man die nächsten Jahre arbeiten wird, ohne dass man es in dem Moment merkt.

Snapshot 2 Vom Beauty-Salon zur Limousine.

Blonde Frau im weißen plissierten Maxikleid an einer schwarzen Limousine vor dramatischem Wolkenhimmel, schwarz-weiß

Nicht die Nika von der Hotel-Dachterrasse — eine andere, blonde Nika. Wir haben in Gelis kleinem Beauty-Salon in Wien gestartet, den sie zu dieser Zeit nebenbei betrieben hat. Eine erstaunliche kleine Welt mit einer Reihe an spannenden Locations in Gehweite — unter anderem einer kleinen Tischlerei, in der wir nach einer kurzen Portrait-Session weitergemacht haben. Hauptakt des Tages war aber eine Limousine, die wir uns für ein paar Stunden ausgeborgt hatten — auch das eine Geli-Connection, weil sie damals nebenbei noch Polterabende organisiert hat und folglich einen Limousinen-Verleih in ihrem Telefonbuch stehen hatte. Wir sind irgendeinen Wiener Hausberg hochgefahren, haben mit externen Blitzen edle Bilder von Auto und Model gemacht und sind danach mit dem Gefühl heimgefahren, dass man Tausendsassa nicht alphabetisch nachschlägt, sondern Geli anruft.

Snapshot 3 Tiana, ein Weinglas und das halbe Bodypainting-Sortiment.

Fine-Art-Akt-Silhouette in Magenta-Tönung mit überdimensionalem Weinglas im Vordergrund

Tiana war eines meiner ersten zwanzig Shootings — ich war fotografisch noch jung, aber wir waren beide experimentierfreudig und für jede Idee zu haben. Bunte Klamotten, spitze lange Nägel, ein paar Piercings, Bodypainting-Farbe in allen Mischungen — und das alles im selben Shooting, inklusive der Idee, die letzten Aufnahmen über die Spiegelung in einem Weinglas zu komponieren. Wir haben in Rekordzeit ein Programm durchgezogen, für das andere zwei Tage einplanen, und einige Bilder gemacht, die ich heute noch als sehr cool durchgehen lasse. Es gibt frühe Arbeiten, an die man später nicht mehr gerne denkt. Diese gehört nicht dazu.

Snapshot 4 Zoltán Kiss, drei Farbkübel und eine Posaune als Pinsel.

Zoltán Kiss in weißem Schutzanzug mit Atemschutzmaske und Posaune als Pinsel, vor grünen und roten Farbspritzern

Zoltán Kiss von Mnozil Brass brauchte Werbefotos für seine CD, und parallel dazu produzierte Thomas Zeller von filmgut.at ein Video mit ihm. Statt also zweimal zu kommen, war ich beim Dreh dabei und habe nebenher fotografiert, während Thomas filmte. Die Location: eine Halle in der Kulturwerkstatt der Tischlerei Melk. Das Konzept: drei Farbkübel mit den Nationalfarben Ungarns und eine Posaune als überdimensionierter Pinsel. Daraus wurde eine Session, in der mehr Farbe quer durch den Raum geflogen ist, als in irgendeinem Setup, das ich je vor- oder nachher gemacht habe. Posaunisten haben übrigens, wie sich herausstellt, eine bemerkenswert gute Wurftechnik — wer jahrelang den Zug bedient, trifft eben auch ohne Noten.

Snapshot 5 Sarah im Wiener Studio, oder: maximale Motivdichte an einem Vormittag.

Blonde Frau im offenen Strick-Cardigan, lachend mit Hand am Mund, High-Key Studio Portrait

Mit Sarah: ein kleines Wiener Studio, Geli als Visagistin, ein Vormittag, an dem wir die ganze fotografische Palette durchgespielt haben — High Key, Low Key, Farbfilter, eigentlich alles. Sarah war super nett und vor der Kamera vollkommen unkompliziert, und so wurde aus einem einzigen Vormittag eine überraschend große Bandbreite an Bildern.

Snapshot 6 Gran Canaria, oder: ein Ellenbogen, ein Strand voller Partyleichen und ein paar Schaulustige zu viel.

Frau sitzend in einer Sanddüne von Maspalomas / Gran Canaria, weiter Blick über die geriffelte Düne, schwarz-weiß

Mein erstes Übersee-Shooting. Zweitägig, in Gran Canaria, mit Bibiana — einer Österreicherin, die zuvor in der Heimat als Model gearbeitet hatte, irgendwann auf die Insel ausgewandert war und dort ein Leben führte, das man am ehesten als ambitionierte Improvisation beschreiben könnte. Sie wohnte in einer Bergsiedlung, die seinerzeit, sagen wir, ohne ausreichende behördliche Genehmigung errichtet worden war, und verdiente ihr Geld mit Fototouristen — Fotografen, die für ihre Workshops und Sessions auf der Insel nach Models suchten. Eine elegante Lösung für ein klassisches Problem.

Kennengelernt hatten wir uns Jahre zuvor in Österreich, bei einem Workshop, vor dem ich mir einen Hexenschuss eingefangen hatte und an dem ich folglich nur eingeschränkt teilnehmen konnte. Mein Freund Alex hat an dem Tag meine komplette Ausrüstung getragen, ich konnte Kamera halten und auf den Auslöser drücken, mehr war nicht drin. Wie sich später zeigte, war das offenbar eine gute Übung für unser Gran-Canaria-Wiedersehen: Ein paar Tage vor dem Abflug nach Gran Canaria war ich nämlich bei einem Shooting in einen Bach gestürzt. Um die Kamera zu retten, habe ich sie beim Fallen über meinen Kopf gehoben — eine reflexhafte Entscheidung, die der Kamera das Leben gerettet und meinem Ellenbogen ein kleines Stück Knochen gekostet hat. Eine richtige Versorgung hätte den Trip gefährdet, also habe ich es notdürftig verarzten lassen und gehofft, dass mein Körper das einsieht. Mein Körper hat das anders gesehen, was sich in den Monaten danach zeigte — aber zu dem Zeitpunkt war Gran Canaria wichtiger. Shit happens. Bibiana und mir scheint es so zu gehen, dass unsere Begegnungen verlässlich mit irgendeiner Form orthopädischer Beeinträchtigung einhergehen.

Das Shooting selbst fand in zwei Etappen statt. Der erste Teil früh morgens, an einer versteckten Bucht, die Bibiana ausfindig gemacht hatte. Die Anreise dorthin war eine eigene Disziplin: Sie nahm uns mit ihrem kleinen Auto mit, das in Sachen Federung schon bessere Tage gesehen hatte, und wir hüpften von Schlagloch zu Schlagloch eine staubige Schotterstrecke entlang, bis wir an einer traumhaften, völlig abgelegenen Bucht ankamen. Bis auf eine Kleinigkeit: Wir waren dort nicht allein. Es war sechs Uhr früh, und am Strand lagen verteilt mehrere Dutzend schlafender Jugendlicher in unterschiedlichen Aggregatzuständen — wie sich herausstellte, war am Vorabend irgendein spanischer Feiertag gewesen, und die Party des Vorabends hatte sich, sagen wir, naturalisiert. Wir balancierten leise zwischen den Schlafenden hindurch bis ganz nach unten in die Bucht, dann ging es schnell — nicht zuletzt, um die Partygäste nicht aufzuwecken. In den ersten Strahlen der Morgensonne haben wir eine Akt-Serie im Wasser und im Sand gemacht, und wäre auch nur einer der Schläfer munter geworden, hätte er ein erstaunliches Schauspiel geboten bekommen. Keiner ist munter geworden. Das hat zu meiner Überraschung tatsächlich funktioniert.

Der zweite Teil fand am Abend in den Dünen von Maspalomas statt — mit Kleid, Tuch und ähnlich leichter Bekleidung, sehr zur Freude der Badegäste, die gerade ins Hotel zurückkehrten oder über die Dünen den Weg in den Nachbarort abkürzten. Im Lauf der nächsten Stunde sammelte sich auf den umliegenden Dünenkämmen eine kleine, aber stabile Ansammlung an Schaulustigen, die so taten, als würden sie nur zufällig in genau diese Richtung schauen. Wir hätten Eintritt verlangen sollen, mindestens aber einen Hut aufstellen. Stattdessen haben wir konzentriert weitergearbeitet, im Vertrauen darauf, dass die Bilder aus diesem Setting genau die Atmosphäre haben würden, die man von einem Sonnenuntergang in Maspalomas erwartet — und das war auch das Ergebnis.

Mein Ellenbogen hat sich von diesem Trip nie ganz erholt, mein Verhältnis zu Gran Canaria sehr wohl. Manche Reisen sind das wert.

Snapshot 7 Eine haarige Angelegenheit.

Frau in Badewanne mit intensivem Blick und nassem Haar, Fine-Art-Akt schwarz-weiß

Wieder ein Fünf-Sterne-Hotel in Wien, dieses Mal direkt neben der Oper, und wieder durfte ich eine Suite für ein Shooting nutzen. Geli war dabei — und sie wird diesen Tag nicht vergessen. Er bekommt sogar ein eigenes Kapitel in dem Buch, an dem sie seit Ewigkeiten schreibt und das auf irgendeine Weise nie ganz fertig zu werden scheint. Wenn dieses Kapitel jemals erscheint, lohnt sich allein dafür die Anschaffung.

Das Modell hatte ich über eine Online-Modelkartei gebucht — ein sehr gefragtes Model, professionell, posing-sicher, absolut nett. Sie kam in Begleitung ihres Freundes, eines beachtlich gebauten Hünen, der mit ihr durch die Hotellobby marschierte und dort ungefähr so viel Aufmerksamkeit erzeugte wie eine Dampflok im Berufsverkehr.

Geli begann mit Haar und Make-up, wie immer. Was sie nach kurzer Zeit zu mir ins Nebenzimmer holte, war hingegen nicht wie immer. Sie hatte das Gesicht verzogen und sagte mir mit einer Mischung aus klinischer Sachlichkeit und unverhohlenem Grauen, dass sie bei der Arbeit am Haar des Models auf eine Komplikation gestoßen sei. Eine Komplikation, die man am elegantesten als hygienisches Detail beschreibt, das gewöhnlich nicht zu den Voraussetzungen eines Editorial-Shootings gehört. Wer schon einmal in der Volksschule war, kann sich die Familie wahrscheinlich denken.

Geli kam dann mit der Idee, die diesen Tag in ihre Memoiren bringen sollte: „Weißt was — steck sie in die Badewanne und mach dort ein paar Fotos. Dann sind ihre Haare wenigstens gleich gewaschen.“

Manche Lösungen sind so pragmatisch, dass man sich fragt, warum man nicht selbst draufgekommen ist. So sind die Badewannen-Bilder dieser Serie entstanden — improvisiert, aber mit einer Bildsprache, die zur Suite und zum Setting absolut passte. Das Model hat die Idee mitgetragen, ohne sich anmerken zu lassen, dass etwas im Hintergrund nicht ganz nach Plan lief.

Geli hat den Tag in ihr Buch aufgenommen. Wenn das Buch jemals fertig wird, wird es allein dieser Geschichte wegen ein Bestseller.

[Snapshots 8 ff. kommen — Oliver schickt weiter]

→ Alle Bilder dieser Sammlung in der Galerie

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