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Das Talent liegt eindeutig in der Familie.

Notiz · September 20264 Min. Lesezeit
Leander Raab, 17, hält Alt-Saxophon und E-Bass — Studio-Portrait vor schwarzem Hintergrund, orange Beanie, ruhig nach unten blickend

Ein Sonntag im September, Frühstück, Die Presse am Sonntag halb aufgeschlagen — und irgendwo zwischen Feuilleton und Kulturteil schaut mich mein eigenes Foto an. Ganze Seite, Aufmacher der Reportage: „Leander sorgt für den Groove." Ein junger Mann mit orange Beanie, Saxophon in der einen, E-Bass in der anderen Hand. Ich weiß genau, wann das entstanden ist. Ich weiß auch, dass es an dem Tag eigentlich gar nicht um ihn gehen sollte.

Zurück ins Frühjahr. Februar 2026, Studio. Lorenz Raab war für neue Artist-Fotos gekommen — Solotrompeter der Wiener Volksoper, in Wien fest in der Jazz-Szene verankert, und Schagerl-Artist. Solche Sessions mache ich in meiner Schagerl-Rolle mit; die Trompeter, die auf ihren Instrumenten spielen, gehören dann eben auch fotografisch dazu. Lorenz kam mit Trompete, mit Ruhe und — was ich an dem Tag nicht erwartet hatte — mit seinem Sohn. Siebzehn Jahre, ruhig, redet wenig. Auf dem Rücken ein Saxophon.

Nach der Session mit Lorenz fragte er beiläufig, ob ich noch schnell ein paar Portraits von Leander machen könnte. Klar. Ich stellte das Licht neu, er holte das Alt-Saxophon aus dem Case und dazu einen E-Bass, den er mitgebracht hatte — er spielt beides, und Klavier, und Tuba, wie ich später aus der Presse lernen sollte. Für mich war klar: wenn schon zwei Instrumente da sind, dann sollen auch beide ins Bild.

Leander Raab hält Alt-Saxophon und E-Bass gleichzeitig — Ganzkörper-Portrait vor schwarzem Studio-Hintergrund, warme Streiflicht-Führung von rechts oben
Leander mit Saxophon und E-Bass — Studio, Februar 2026

Schwarzer Hintergrund, ein weiches Streiflicht von oben-rechts, das die goldenen Klappen des Saxophons und die petrolblaue Lackierung des Basses gerade so herausholt, dass man beides sofort als eigenständiges Instrument liest. Leander hält das Sax hoch am Bogen, den Bass unter dem Arm, Blick nach unten. Nichts Gestelltes. Ein Junge, der mit zwei Instrumenten so selbstverständlich umgeht wie andere mit dem Handy. Ich brauchte nicht viele Bilder — solche Portraits sind schnell da oder gar nicht.

Ein halbes Jahr später, 20. September, sitze ich also am Frühstückstisch und blättere durch die Zeitung. Die Reportage von Daniela Tomasovsky erzählt, was ich an dem Studio-Nachmittag noch gar nicht wusste: Leander spielt in der Klosterneuburger Big Band, im Jugend-Jazz-Orchester Niederösterreich in Grafenegg, bei den „Young Masters" an der mdw. Erste Preise bei Prima la Musica, im Ensemble Jumping Jungle im Wiener Porgy & Bess. Nebenbei besucht er die Graphische, weil ihn Film und Technik auch interessieren. Vater Solotrompeter, Mutter unterrichtet Klavier, beide Schwestern musikalisch. Man liest den Text und denkt sich: na klar.

Als Fotograf weiß man nie, welches Bild aus welcher Session ein Eigenleben entwickelt. Manchmal ist es der Aufmacher, den man geplant hat. Öfter ist es das Nebenbei-Portrait, das entsteht, weil jemand fragt, ob man noch schnell — und man Ja sagt. Der Sonntagmorgen mit Kaffee und Zeitungsseite ist dann die kleine Belohnung dafür.

Alles Gute an Leander für seinen weiteren Weg. Wenn er das nächste Mal auf einer Bühne steht — Babenbergerhalle, Grafenegg, Porgy & Bess, wo auch immer — hoffe ich, dass jemand mit Kamera dort ist, der so viel Freude an dem hat, was er sieht, wie ich an dem Nachmittag im Studio. Das Talent liegt eindeutig in der Familie.

Foto: Oliver Kendl · Studio, Februar 2026.
Erschienen als: Aufmacherfoto zur Reportage „Leander sorgt für den Groove" von Daniela Tomasovsky, Die Presse am Sonntag, 20. September 2026.

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